Wusstest du schon…? Heute Thema: Fracking

Angesichts der Krim-Krise und der gegenseitig angedrohten wirtschaftlichen Sanktionen werden die Stimmen in Europa nach einer Energieunabhängigkeit von Russland immer lauter. Dabei wird auch die Anwendung einer Technologie namens „Fracking“ immer mehr in Erwägung gezogen, um den Import von russischem Gas zumindest teilweise zu ersetzen.

von Sergej Grebenyuk und Monique Patzner

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„Fracking“ oder „hydraulic fracturing“ ist ein Verfahren, das die Erschließung von in Gesteinsschichten eingeschlossenen und tief im Untergrund liegenden Erdgas- und Erdölreservoirs ermöglicht. Dabei werden große Mengen an mit Sand und chemischen Zusätzen vermischtem Wasser unter großem Druck (bis zu 1.000 bar im Lagerstättenbereich) in den Erdboden gepresst. Dabei entstehende Risse im Gestein und machen fossile Energieträger, wie etwa Erdgas oder Erdöl, zugänglich.

Das weist du schon?

 

Zehn Fakten über Fracking, die du vielleicht noch nicht wusstest:

 

1. Was befindet sich überhaupt in dem Gemisch?

 

Einige mögliche Frack-Additive und ihre Aufgaben:

Biozide (z.B. Terpene) sollen das Bakterienwachstum an organischen Bestandteilen verhindern. Sogenannte Brecher (z.B. Natriumbromat) verringern die Viskosität des Frac Fluids und die Rückholung der Fluide. Gele (z.B.Guarkernmehl) erhöhen die Viskosität und sorgen so für einen besseren Sandtransport. Korrosionsschutzmittel (z.B. Methanol, Ammoniumsalze) schützen die Anlage bei der Zugabe von Säuren. Reibungsminderer (z.B. Latexpolymere) mindern die Reibung innerhalb des Fluides. Säuren (z.B. Salzsäure) reinigen den perforierten Abschnitt der Bohrung von Zement und Bohrschlamm vor dem Frac. Schaumbildner (z.B. N2, CO2, tertiäre Alkylaminethoxylate) unterstützen den Transport und die Ablagerung des Sandes. Ablagerungshemmer (z.B. Ammoniumchlorid) verhindern die Ablagerung von Karbonaten und Sulfaten.

 

2. Wieviel Chemikalien braucht man überhaupt für eine Bohrung?

 

Nach Angaben der US-EPA (United States Environmental Protection Agency) aus einer Studie von 2011 geht man von einem Bedarf von rund 55 Tonnen (t) bis 230 t chemischen Additiven, ausgehend von einem Wasserbedarf von 11.500 m³, pro Bohrung aus. Zur Verdeutlichung: Bei einer Bohrung, bei der man 1.100 t Chemikalien bedarf, entspricht das einer ungefähren Transportmenge von rund 37 Lastkraftwagen (30-Tonner).

 

3. Wie schädlich sind diese chemischen Additive? Was können Sie auslösen?

 

Nach einer Studie des Tyndall Centre of Climate Change der University of Manchester, in der man 260 der in den USA eingesetzten Substanzen analysierte, fand man bei 58 besorgniserregende Eigenschaften:

davon sind
17 Substanzen toxisch für aquatische Organismen,
38 Substanzen toxisch für die menschliche Gesundheit,
8 Substanzen karzinogen,
6 Substanzen vermutlich karzinogen,
7 Substanzen mutagen und
5 Substanzen haben Effekte auf die Produktivität.

 

4. Seit wann gibt es überhaupt den kommerziellen Einsatz des Fracking-Verfahrens in den USA?

 

Seit der1970er Jahre gibt es den kommerziellen Einsatz des Fracking-Verfahrens für Schiefergaslagerstätten in den USA schon. 2005 kam es  zu einem Boom bei der Gewinnung von Schiefergas mit mehreren tausenden Bohrungen pro Jahr. Die USA decken ihren Bedarf an Erdgas selbst aus eigenen Quellen.

 

5. Wie tief befindet sich eigentlich so eine Schieferlagerstätte in Deutschland?

 

Die Schieferlagerstätten in Deutschland befinden sich hauptsächlich in einem Tiefenbereich von 1.000 m oder tiefer. Die horizontale Ablenkung von Bohrungen kann zwischen 600 und 1000 Metern liegen, zum Teil können sie aber auch mehrere Kilometer horizontal gebohrt werden.

 

6. Wie sieht es eigentlich in Baden-Württemberg aus?
In Baden-Württemberg wurden zwei Anträge zur Aufsuchung von Schiefergas gestellt und bewilligt. Die Aufsuchungserlaubnis wurde vom zuständigen Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) für das Feld „Konstanz“ bis 30.04.2012 und für das Feld „Biberach“ bis 31.5.2012 befristet erteilt. Bewilligung oder Bergwerkseigentum, die zur Gewinnung von Schiefergas zwingend notwendig sind, wurden in Deutschland aber bisher noch nicht gestattet.

 

7. Was passiert eigentlich mit dem Gemisch, nachdem man es in den Boden gepumpt hat?

 

Das Frack- und Lagerstättenwasser wird nach einer Zwischenbehandlung in sogenannten Versenkbohrungen /Disporsalbohrungen (vorallem ehemalige Lagerstätte) oder anderen unteriridschen Gesteinsformationen in großer Tiefe (bis mehrere 1.000 m) verpresst.

 

8. Woher wissen wir eigentlich unser Erdgaspotential aus dichtem Tongestein in Deutschland?

 

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) arbeitet derzeit an einer ersten Studie zur Abschätzung des Erdgaspotenzials aus dichtem Tongestein (Schiefergas) in Deutschland. Das Projekt ist angesetzt bis in das Jahr 2015 und läuft unter dem Namen “Niko”.

 

9. Wieviel kostet eine  Bohrung überhaupt?

 

Eine Bohrung kostet im Schnitt drei bis zehn Millionen Dollar. Pro Lagerfeld sind meist mehrere tausende Bohrungen erforderlich.

 

10. 6 Uhr morgens? Man glaubt es kaum:

 

Prof. Peter Grathwohl hielt bei der 24-Stunden-Vorlesung am 21.5. 2014 in der neuen Aula um 6 Uhr morgens eine Vorlesung zum Thema: „Fracking“. Brauchen wir unkonventionelle Georessourcen?.

admin.suedweiser

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