Pilzexkursion ins Kleinwalsertal

Pilze kann man essen. Pilze können giftig sein. Es gibt Champignons, Pfifferlinge, Fliegenpilze,… Was gibt es eigentlich noch für Pilze? und was sollte man sonst noch unbedingt über sie wissen? Josephina (Geoökologin, 4.Semester) hat sich letzten Sommer aufgemacht und an der Exkursion von Dr. Sigisfredo Garnica teilgenommen, um genau das zu erfahren.

von Josephina Nübold

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Pilzexkursion im Kleinwalsertal. / © Josephina Nübold

“Eine wunderschöne, interessante, und sehr lustige Exkursionswoche neigt sich leider schon dem Ende zu. Gemeinsam mit allen Geoökologen von meinem Semester verbrachte ich eine Woche in Voralberg. Schade, doch für uns sind die Tage in den Bergen noch nicht vorbei.

In dichtem Nebel fahren Sophie und ich über enge Sträßchen gen Norden ins gegenüber gelegene Tal – das Kleinwalsertal. In Hirschegg soll die kommende Woche eine weitere Exkursion, dieses Mal nicht der Steine, sondern der Pilze wegen, stattfinden. Untergebracht ist die etwa fünfzehnköpfige Mannschaft in der Stuttgarter Hütte. Geleitet wird die Exkursion von Herrn Sigisfredo Garnica und in stiller Assistenz von Herrn Oberwinkler aus Tübingen. Mit Sophie und mir sind insgesamt nur fünf Bachelor- und Masterstudenten aus Tübingen mit dabei. Mehr als doppelt so viele Teilnehmer kommen mit Herrn Hoffmeister, genannt Dirk, von der Universität in Jena.

Als wir eintreffen ist jedoch keine Menschenseele zu sehen – wir haben uns verspätet und alle sind schon auf der Suche nach Pilzen ausgeflogen. Kistenweise Fachliteratur und ein mit vielen Mikroskopen und Binokularen ausgestatteter Arbeitsraum empfangen uns herzlich. Allmählich wird uns klar, dass sich diese Exkursion, im Gegensatz zu den Tagen in den Vorarlberger Alpen, viel mehr hinter den Mikroskopen als an der frischen Luft abspielen wird. Und so kommt es dann auch.

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Goldgelbe Koralle. / © Josephina Nübold

Morgens halb neun, nach gemeinsamem Frühstück im Speisesaal der Hütte, machen wir uns auf, um im Wald ganz klassisch, mit einem Körbchen, Pilze sammeln zu gehen. Von Suchen kann aber nicht die Rede sein, da dank perfektem Pilzwetter, sprich Regen im Wechsel mit Niesel und Nebel, Pilze an jeder Ecke aus dem Boden schießen. Pilze soll nicht heißen: leckere Speisepilze wie Steinpilz und Pfifferling. Nein, ob genießbar oder hoch giftig, das ist in diesen Tagen an sich völlig irrelevant. Ziel ist zunächst, möglichst unterschiedliche Pilze zu suchen. Diese werden in Alufolie eingeschlagen, damit sich die Sporen der verschiedenen Pilze nicht zu einem Nachbarpilz hin verirren. Das wäre bei der Bestimmung fatal, da falsche Sporen am falschen Pilz enorme Verwirrung stiften können – jeder Pilz hat ja seine individuelle zur genauen Bestimmung unbedingt nötige Sporenfarbe und -form. Ergänzend erklären Herr Garnica und Herr Oberwinkler im Gelände Besonderheiten der Pilze, ihrer Standorte und der sie umgebenden Vegetation.

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Mikroskopieren von Pilzen./ © Josephina Nübold

Gesagt, getan – Baumpilz, Korallenpilz, Lamellen- und auch Schimmelpilz werden eingepackt und dann, zurück in der Hütte, sorgfältig unter dem Mikroskop untersucht. Hierfür schneiden wir unter dem Binokular mit einer Rasierklinge dünnste Scheiben vom Hut des Pilzes ab und betrachten diese unter dem Mikroskop. Die anderen Teilnehmer kennen sich mit den Pilzen schon relativ gut aus. Für Sophie und mich ist dieses Gebiet der Biologie noch ziemliches Neuland. In unserer Freizeit gehen wir recht häufig Pilze sammeln, doch die Ungenießbaren lässt man in der Regel gerne links liegen. Auf dieser Exkursion wird da hingegen nicht zwischen genießbar und ungenießbar unterschieden. Unsere Ziele sind höhere: die Einordnung der Pilze in den phylogenetischen Stammbaum, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ordnungen und Familien zu erkennen und zu verstehen. Keine leichte, aber nicht unmögliche Aufgabe.

Nach gemeinsamem dreigängigem Mittagessen mikroskopiert jeder ehrgeizig an seinen Pilzen weiter, wälzt Literatur, geht neue Pilze im Wald sammeln oder genießt einfach nur den wunderschönen Blick von der Terrasse aus auf die Berge – was nach stundenlanger Untersuchung von Pilzzellen und -sporen auch ganz reizvoll sein kann. Abends hält einer der Professoren abschließend einen Vortrag, etwa über den phylogenetischen Aufbau des Stammbaums, die besonderen Merkmale einer Familie oder die Wirkung von Gift- und psychoaktiven Pilzen…

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Wunderschöner Ausblick vom Hohen Ifen. / © Josephina Nübold

Einer der erwähnenswerten Höhepunkte unserer Exkursion ist unter anderem die Wanderung auf den Hohen Ifen bei herrlichem Sonnenschein und klarer Fernsicht. Nachdem die Truppe aus Jena etwas früher als wir ihren Heimweg gen Norden angetreten hat, wird es für uns noch einmal ernst – eine Abschlussprüfung ist verlangt. Also lernen wir die letzten zwei Tage gemeinsam auf der Terrasse und lassen so recht entspannt die Tage in den Bergen ausklingen.
Die Exkursion ist auf jeden Fall empfehlenswert. Wer sich für Pilze und die Berge begeistern kann, sollte sie wenn möglich nicht verpassen.”

admin.suedweiser

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