Lisa Hanslik (Geoökologie)

Lisa Hanslik, ehemalige Studentin der Geoökologie in Tübingen, arbeitet momentan in der Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie in Lübeck. Im Interview erzählt sie von ihrem Werdegang und verrät uns was sie am Studentenleben am Meisten vermisst.

 

von Monique Patzner

 

Lisa-Hanslik-20131119-Fraunhofer-EMB-0030Lisa Hanslik im Interview / © Lisa Hanslik

SÜDWEISER: Erzähl doch zunächst mal ein bisschen über dich.

LISA HANSLIK: Ich heiße Lisa Hanslik, bin 25 Jahre alt und lebe derzeit in der kleinen Hansestadt Lübeck, weil ich hier seit Juni 2013 promoviere. Eigentlich bin ich aus Berlin und habe Geoökologie in Potsdam und Tübingen studiert. Meinen Abschluss habe ich jetzt schon vor über einem Jahr gemacht.

SÜDWEISER: Du hast also Geoökologie erst Bachelor in Potsdam studiert und später deinen Master in Tübingen gemacht, richtig? Warum hast du diesen Studiengang gewählt? Hattest du damals schon ein konkretes Ziel, was du später einmal damit machen willst?

LISA HANSLIK: Zur Geoökologie bin ich eigentlich zufällig gekommen. Es gab damals (2007), als ich fast mit dem Abi fertig war, einen Tag an der Uni Potsdam, an dem sich verschiedene Studiengänge vorgestellt haben. Da bin ich in einer Vorstellungsvorlesung zur „Geologie“ gelandet. Das klang alles spannend, aber mir hat die Biologie dabei gefehlt und deswegen habe ich mich nach Alternativen umgeschaut. Tja, so bin ich bei der Geoökologie gelandet. Ein konkretes Ziel hatte ich erst, als ich mich für den Master beworben habe. Für mich war die Vertiefungsrichtung „Umweltchemie und Ökotoxikologie“ das ausschlaggebende Kriterium, um mich überhaupt in Tübingen zu bewerben. Das konnte ich mir sehr gut vorstellen, später mal im Labor zu arbeiten, Umweltproben zu analysieren und Gutachten zu schreiben.

SÜDWEISER: Wie war die Situation nach dem Master? Hast du gleich das gefunden, was du wolltest?

LISA HANSLIK: Als ich dann mit meinem Studium fertig war, musste ich feststellen, dass die Aussichten doch etwas anders waren, als ich mir gewünscht habe. Ich hätte für eine Promotion auch in Tübingen bleiben können, wollte aber auch wieder näher nach Berlin wegen meines Freundes und meiner Familie.

Bereits wenige Wochen nach der Abgabe meiner Arbeit bin ich zurück nach Berlin zu meinen Eltern gezogen und habe mich auf Stellensuche gemacht. Das war gar nicht so leicht ohne wirkliche Berufserfahrungen. Es war sogar ziemlich schwer mit meiner Studienausrichtung an unbezahlte Praktikumsstellen heranzukommen, von bezahlten ganz zu schweigen, weil die meisten Institute/Firmen nur Studenten nehmen, die ein Pflichtpraktikum während ihres Studiums ableisten müssen.

Ich kam relativ schnell an dem Punkt an, an dem ich mich auf alle möglichen Stellenangebote an den verschiedensten Einrichtungen/Firmen/Instituten beworben habe, von TA-Stellen, Assistentenstelle über Versuchsleiter, Promotion, zu Hiwi, Praktikant und Trainee-Stellen etc. . Ich habe mich dabei auch nicht auf Berlin und Brandenburg beschränkt, sondern mich deutschlandweit, in England und der Schweiz beworben. Innerhalb eines halben Jahres hatte ich dann circa 50 Bewerbungen geschrieben.

 

“Am meisten vermisse ich Die Nachmittage an denen ich mit meinen Freunden an einem Vortrag oder so gebastelt habe, bis keiner mehr wusste worum es eigentlich ging und wir zum Schluss nur noch gegessen, getrunken und gequatscht haben.”

 

SÜDWEISER: Was machst du jetzt und wie bist du dahin gekommen?

Mitte April habe ich dann noch ein unbezahltes vierwöchiges Praktikum am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin abgeleistet. Das war ganz interessant, leider auch ein wenig eintönig, wenn man nur die ganze Zeit Makrozoobenthos sortiert und bestimmt. Bis dahin hatte ich auch ausschließlich Absagen erhalten.

Dann habe ich eine Promotionsausschreibung am Fraunhofer EMB in Lübeck gefunden, in der es um multitrophische Aquakultursysteme ging und um die Stressbelastung für Fische in diesen Zuchtanlagen. Das klang sehr spannend, zumal ich in meiner Masterarbeit bereits stressphysiologisch an Fischen gearbeitet hatte und diese Richtung gern weiterverfolgen wollte. Daraufhin habe ich meine Bewerbung zusammengestellt und ich wurde zum ersten und letzten Mal in dieser Zeit zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.

Daher züchte ich jetzt Wolfsbarsche und versuche herauszufinden, inwiefern der Einsatz von Muscheln und Algen im gleichen Hälterungssystem zu einer veränderten Stressreaktion bei den Fischen führt. Oder auch nicht. Diese Aufgabe habe ich also in den nächsten drei Jahren zusammen mit meinen fünf Kollegen in der Arbeitsgruppe „Aquakultur“ unter anderem zu klären.

SÜDWEISER: Berichte uns doch einmal von deinem Alltag. Wie sieht ein normaler Tag bei dir aus?

LISA HANSLIK: Von meinem Alltag gibt es eigentlich nur zwei verschiedene Varianten, das hängt davon ab, ob ich in der Woche mit dem Routine-Dienst in der Fischhalle dran bin oder eben nicht. Mein Arbeitstag beginnt eigentlich immer um 9 Uhr, da wir feste Arbeitszeiten haben. Zum Büro oder auch zur Halle fahre ich eigentlich fast immer mit dem Fahrrad, dann ist man nach 30 Minuten Frühsport auf jeden Fall wach! Wenn ich in bei den Fischen bin, dann geht’s erst erstmal los mit der Bestimmung von Wasserwerten, Fütterung und Säuberung der Becken, der Biofilter und Schlammauffangbehälter. Da sind Arbeitshosen und Gummistiefel Pflicht.  Je nach Wochentag ist auch mal mehr zu tun, dann muss Wasser in einem der Kreisläufe gewechselt werden oder neues Salzwasser angesetzt werden. Damit ist man dann bis zum Mittag beschäftigt. Danach geht es dann zurück ins Büro, an den Schreibtisch für Literaturrecherche, E-Mails, Vorbereitungen von Probenahmen. Als Alternative zum Schreibtisch gibt’s noch das Labor. Dort steh ich dann meist für den Rest des Tages und arbeite Proben auf, werte diese aus oder bereite eine nächste Probenahme vor. Wenn alles gut läuft, dann bin ich auch pünktlich um 18 Uhr fertig und radel wieder nach Hause.

SÜDWEISER: Und danach?

LISA HANSLIK: Falle ich todmüde ins Bett…Das ist tatsächlich in den meisten Fällen so. Am Wochenende kann es manchmal noch sein, dass ich mich um meine 4000 Fische kümmern muss. Aber sonst bin ich auch mit Kollegen in Lübeck unterwegs oder fahr mal nach Hamburg, wenn mir die Großstadt fehlt oder eben nach Hause zu meinem Freund und meiner Familie.

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Hanslik bei der täglichen Kontrolle ihrer Fischkulturen / © Lisa Hanslik

SÜDWEISER: Wenn du noch einmal die Wahl hättest, was würdest du studieren?

LISA HANSLIK: Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, würde ich wahrscheinlich eher eine Berufsausbildung machen oder einen Studiengang an einer FH wählen. Selbst, wenn ich vermutlich mit einer Ausbildung nicht die gleichen Möglichkeiten wie mit einem Studium in der Zukunft habe, hat mir doch der Praxisbezug immer gefehlt. Die Erfahrungen, die ich im Studium gesammelt habe (egal in welcher Hinsicht) möchte ich aber auch nicht missen. Deswegen liefe es wohl eher auf ein stark praxisorientiertes Studium an einer FH hinaus. Bleibt nur noch die Frage, was ich dann studieren würde… Ökolandbau oder so.

SÜDWEISER: Was vermisst du am meisten von deiner Studentenzeit?

LISA HANSLIK: Am meisten vermisse ich Die Nachmittage an denen ich mit meinen Freunden an einem Vortrag o.ä. gebastelt habe, bis keiner mehr wusste worum es eigentlich ging und wir zum Schluss nur noch gegessen, getrunken und gequatscht haben. Aber am Ende wusste man, auf die anderen ist Verlass und das wird schon werden mit der Präsentation. Natürlich auch die Exkursionen und Praktika bei denen man den ganzen Tag schön im Freiland saß, bei Wind und Wetter, und am Ende einfach nur k.o. und glücklich war.

SÜDWEISER: Würdest du sagen, dass Tübingen dich geprägt hat?

LISA HANSLIK: Die Zeit in Tübingen hat mich auf jeden Fall sehr geprägt. Für mein Studium habe ich erst da gelernt, wie ich optimal lernen kann und dass ich meine Zeit immer noch ein bisschen besser nutzen kann…Und natürlich die vielen Leute, die ich kennenlernen durfte. Mit einigen stehe ich noch immer in Kontakt und wir sehen uns auch in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen. Ach ja, und dass Schwaben doch gar nicht so ein merkwürdiges Völkchen sind, wie sie immer beschrieben werden.

SÜDWEISER: Willst du uns Studenten noch irgendetwas sagen?

LISA HANSLIK: Das ihr auf jeden Fall die Zeit während des Studiums gut nutzen solltet, um Erfahrungen zu sammeln. Egal ob im Praktikum oder über Nebenjobs, schaut euch in anderen Bereichen um, erweitert euer „Methodenspektrum“. Das sieht nicht nur im Lebenslauf gut aus, sondern kann auch wirklich noch hilfreich sein, weil man später sowieso nie genau das Gleiche, wie im Studium machen wird. Dann ist es gut, wenn man schon mal über den eigenen Tellerrand geschaut hat! Noch dazu kann man so schon mal bei potenziellen Arbeitgebern reinschauen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen und „connections“ aufbauen. Ohne die geht nämlich wirklich nix.

SÜDWEISER: Kann man bei euch ein Praktikum machen?

LISA HANSLIK: Man kann hier am Fraunhofer EMB nicht nur Praktika, sondern auch Abschlussarbeiten durchführen. Die Themengebiete sind allesamt nicht nur spannend sondern sehr anwendungsorientiert. Die Ergebnisse sind also nicht nur für die Schublade, sondern finden auch mal Eingang in Veröffentlichungen/Patente oder Anwendung in der Industrie! Stellen werden auf unserer Homepage ausgeschrieben: www.emb.fraunhofer.de/

SÜDWEISER: Wo siehst du dich in fünf Jahren?

LISA HANSLIK: Im Idealfall bin ich in drei Jahren mit meiner Dissertation fertig. Aber was ich dann mache? Ich weiß im Moment aber auch keine Antwort. Die Zeit vergeht momentan sehr schnell und ich arbeite schon seit einem halben Jahr am Fraunhofer EMB. Trotzdem passiert noch fast jeden Tag etwas Neues!

SÜDWEISER: Vielen Dank für das Interview.

 

Suedweiser

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