DIE Welt sehen – Erasmus Mundus

Was mache ich nach meinem Bachelor? Was für einen Master soll ich machen- und vorallem wo? Bleibe ich in Deutschland oder vielleicht doch lieber in ein anderes Land?  Carina Linder entschied sich nicht für ein einziges Land, sondern für ein Masterprogramm, das sie zu den unterschiedlichsten Orten weltweit brachte, Kulturen verbindet und internationale Freundschaften bildet und stärkt. Erasmus Mundus.

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Das Familienfoto: Nach der Abschlussfeier ist vor der Trennung – sicher nur auf Zeit… / © Carina Linder

“Erasmus Mundus – Masterprogramme mit Weltweitwinkel

Inzwischen gibt es 138 davon – und mindestens einer passt zu dir! Wie so oft in der Europäischen Union geht es bei den Erasmus Mundus Masterprogramme darum, Dialog und Mobilität zu fördern, diesmal auf Uni-Ebene. Dabei sind nicht nur europäische Unis mit an Bord: weltweit haben sich für ein Programm immer mindestens drei Universitäten zusammengeschlossen, um gemeinsam unterschiedlichste Master aus sechs Themenbereichen anzubieten:

(1) Agriculture and Veterinary
(2) Engineering, Manufacture and Construction
(3) Health and Welfare
(4) Humanities and Arts
(5) Science, Mathematics and Computing
(6) Social Sciences, Business and Law

Eine ausführliche Liste findest du hier:  http://bit.ly/1dsCPaz , mehr Informationen gibt’s dann auf den Websites der einzelnen Programme.

Ein bunter Hund…

Auch wenn viele Unis stolz auf ihre internationalen Master sind: eine Extrawurst bist du nicht. Und das ist auch gut so. Die meisten Unis integrieren die Studierenden in bestehende Kurse aus themenverwandten Masterprogrammen – im Normalfall ist alles auf Englisch. Davon hast du viel: Da du während des Programms an mindestens drei Unis studierst lernst du verschiedene Schwerpunkte aus deinem Fachbereich, verschiedene Unterrichtsmentalitäten, verschiedene Universitätsstrukturen und unterschiedliche Studentenleben kennen. Das ist mitunter anstrengend und herausfordernd, aber macht auch unheimlich Spaß. Es ist vor allem mehr als ein Erasmus-Semester, denn du kehrst nicht an „deine“ Uni zurück: Alle Unis, an denen du studierst sind „deine“ Unis und erwarten, dass du das genauso lebst.

Seele und Beine baumeln lassen in Frankreich. / © Carina Linder

Seele und Beine baumeln lassen in Frankreich. / © Carina Linder

Meine Erfahrung – bald deine Erfahrung?

Ich habe zwischen 2012 und 2014 den European Master in Applied Ecology (EMAE, inzwischen IMAE) studiert. Viel gelernt habe ich zweifelsfrei, nicht nur Fachliches. Während des Studiums war ich in Poitiers (Frankreich), Norwich (England), Kiel (Deutschland) und Mersin (Türkei) und auf etlichen Exkursionen und Reisen. Wir waren 20 Studierende aus 18 Nationen, darunter Mauritius, Singapur, Bangladesch, Griechenland, Kolumbien und USA. Was sich kitschig anhört ist inzwischen unsere Realität: Wir sind eine Familie geworden. Wir haben uns gegenseitig nicht ausgesucht. Aber wir haben miteinander alle Gefühlslagen erlebt, die man sich vorstellen kann. Nach einem Europäischen Master weißt du nicht nur mehr über deinem Fachbereich, sondern Du lernst auch anzukommen. Du lernst dich unheimlich schnell anzupassen. Du lernst dir auf der Stelle einen Platz zur Bleibe zu organisieren, an jedem Ort der Welt. Und du lernst alle denkbaren englischen Dialekte kennen: Im Umgang mit Lehrern, im Umgang mit deinen KommilitonInnen, im Umgang mit anderen Studierenden. Und diese Fähigkeit ist nicht zu unterschätzen, in unserer Zeit. Diskussionen und Gespräche in einer internationalen Gruppe, mit auf unterschiedlichste Weise geprägten Menschen – kulturell als auch fachlich – gehören zum Alltag und lassen dich Dinge aus einer Perspektive sehen, die du davor noch nie in Erwägung gezogen hast. Neben so viel (gerechtfertigter) Romantik hast du natürlich die Chance dich fachlich weiterzuentwickeln. Auch wenn viele Europäische Master häufig als exzellent bezeichnet werden: Akademisch sind sie das oft nicht. Aber du kannst sie dazu machen. Die vielen verschiedenen Lehr- und Prüfungsmethoden eröffnen dir ein Spektrum an Wissen, das du an einer einzigen Uni alleine nie angeboten bekommst. Und das macht ihren Reiz aus.

Ganz schön nah in der schottischen Kälte - Semesterbreak in England. / © Carina Linder

Ganz schön nah in der schottischen Kälte – Semesterbreak in England. / © Carina Linder

Und die Bewerbung?

Die ist eher aufwändig. Häufig besteht sie aus zwei Empfehlungsschreiben, einem Motivationsbrief, einem Lebenslauf (Europass –auch sonst sehr zu empfehlen: http://bit.ly/1yyUxE6), einem ausgefüllten Bewerbungsbogen und einem Nachweis über deine Englischkenntnisse (im Normalfall TOEFL). Oft brauchst du aber ähnliche Unterlagen auch für andere Masterbewerbungen – der Mehraufwand ist daher gering. Allerdings ist die Bewerbungsfrist häufig bereits im Winter des Vorjahres. Wenn du also nächsten Sommer (2015) mit deinem Master beginnen willst, dann solltest du dich also jetzt (Herbst 2014) um deine Bewerbung kümmern.
Du kannst dich auf drei Europäische Master im gleichen Zeitraum bewerben. Je nach Master ist die Wahrscheinlichkeit einen Platz zu bekommen unterschiedlich. Auf sehr bekannte Programme unter den Europäischen Mastern bewerben sich gerne über 1000 Studierende, auf andere bedeutend weniger. Auswahlkriterien beinhalten Klauseln, die sichern, dass die Gruppe – in Bezug auf Herkunft und Geschlecht – gut gemischt bleibt: mehr als drei Studierende aus einem Land sind eigentlich nie in einem Europäischen Masterstudiengang vertreten.

Wenn die eine Hälfte der Gruppe in Portugal weiter studiert ist das ein guter Grund sich gegenseitig zu besuchen und zu wandern. / © Carina Linder

Wenn die eine Hälfte der Gruppe in Portugal weiter studiert ist das ein guter Grund sich gegenseitig zu besuchen und zu wandern. / © Carina Linder

Kosten und Stipendium

Der Master ist nicht billig. 5000 € im Jahr will mein Masterprogramm von Europäischen Studierenden, für außereuropäische ist es noch mehr. Das ist wirklich nicht wenig und daher vergibt die EU Stipendien. Dabei werden neben den Programmkosten auch Lebensunterhaltskosten gedeckt – mit 500 € monatlich für EuropäerInnen. Die Anzahl an Stipendien, die vergeben werden, unterscheidet sich zwischen den Mastern und richtet sich nicht selten nach dem Alter der Studiengänge. Neuere Programme können dabei auf größere Unterstützung hoffen. Aber auch wenn ihr ohne Stipendium angenommen werdet: Es gibt viele Stiftungen, welche fördern. So hatten in meinem Jahrgang von den vier Studierenden ohne EU Stipendium drei Unterstützung von anderen nationalen oder internationalen Institutionen. Dran bleiben!

Auch Doktorandenstellen gibt’s…

Europäische Programme gibt es auch für den PhD (Erasmus Mundus Joint Doctorates). Infos gibt’s hier: http://bit.ly/1ipDlt1.”

 

Die, die den Abschluss haben (wir in der Mitte), die, die uns dahin führten (links die Profs) und die, die ihn in zwei Jahren haben werden (links die Newbies 2014). / © Carina Linder

Die, die den Abschluss haben (wir in der Mitte), die, die uns dahin führten (links die Profs) und die, die ihn in zwei Jahren haben werden (links die Newbies 2014). / © Carina Linder

 

von Carina Linder

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